Break off

 

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One-Shot

 

Der Geruch von Krankenhaus war den Dreien gut bekannt, allerdings mochte keiner ihn. Zu viele Krankheiten, zu viel Tod lag in der Luft – Zu viele Erinnerungen.
Sie wussten, in welches Zimmer sie gehen mussten, das es eilte, doch die beiden jungen Männer beschleunigten ihre Schritte nicht.
Sasuke Uchiha, der Jüngere, stütze seine Mutter Mikoto, welche kaum stehen, geschweige denn gehen konnte. Sie zitterte am ganzen Körper und presse ein Taschentuch an ihre Lippen. Ihre Augen waren von den salzigen Tränen rot geworden.
Itachi stand bei einem Lift und drückte auf den Knopf. Er wollte nicht hier sein.
Auch sein Bruder kam nur wiederwillig zu ihm. Wenn Mikoto nicht da wäre, hätten sie sich beide spätestens jetzt umgedreht und wären für immer verschwunden.
Sie schien die Spannung in der Luft nicht zu spüren, zu sehr war sie mit sich selbst beschäftigt. Mit ihrer Trauer, mit ihrer Angst.

Als der Lift kurz darauf kam und seine Türen öffnete wussten weder Itachi, noch Sasuke ob sie eintreten sollten. Aber die zitternde Mikoto ging trotzdem langsam vorwärts. Aus Angst, sie könnte stürzen, folgten ihre beiden Söhne ihr wiederwillig.
„Bist du sicher?“ fragte Itachi seine Mutter. Sie verkannte die Zweifel. „Ja, der vierte Stock.“ murmelte sie, bevor sie erneut herzerweichend schluchzte.
Sasuke seufzte, er wusste, worauf sein Bruder hinausgewollt hatte. Doch für nichts auf der Welt würde er das jetzt aussprechen, stattdessen drückte er auf den Knopf und der Lift sauste los.

Im richtigen Stock angekommen, stiegen sie aus und liefen rasch weiter. Oder besser, Mikoto lief schnell, ihre Söhne folgten, um sie nicht allein zu lassen.
Schnell, viel zu schnell, waren sie vor dem Zimmer 451.
Die Uchiha blieben alle stehen, selbst Mikoto. Nach einigen Sekunden drehte sie sich zu ihren Söhnen um.
„Ihr wollt hier nicht hinein, oder?“ fragte sie leise, ihre Lippen zitterten.
Keiner antwortete ihr, langsam beruhigte sie sich.
„Nein, wollt ihr nicht.“ stellte sie sich. „Aber ihr müsst! Er ist euer Vater!“
Stille.
Keiner wollte ihr antworten, ihr in die traurigen Augen blicken. Sie wollten nur weg von hier.
Die Tür hinter Mikoto bewegte sich, eine Ärztin trat aus dem Zimmer.
„Sind sie die Familie?“
„Ja.“ Murmelte Mikoto schwach. „Was ist passiert?“
„Nun, er hing an einer Atemmaschine und an einem Herzschrittmacher. In seiner Patientenverfügung steht, dass er keine lebenserhaltenden Maßnahmen will.“

Alle wussten, was das hieß. Er war schon tot. Nur noch eine Maschine hielt in am Leben.

Itachi war erleichtert. Vielleicht hatte der Albtraum bald ein Ende.

Sasuke war erleichtert. Bald wäre es vorbei, endlich.

Bald wäre alles gut, der Spuck hatte ein Ende -
Mikoto fing an zu schluchzen, schnell legte ihr ältester Sohn seine Arme um sie, damit sie nicht stürzte. „Nein!“ sagte Mikoto, tonlos.
Ob sie wirklich sprach, wusste Sasuke später nicht mehr. Vielleicht wusste er auch nur, dass sie es fühlte.

Die Ärztin betrachtete die Szene, wartete kurz, bis sich alle gefasst hatten, dann sprach sie: „Ihr wollt jetzt Abschied nehmen und wenn sie soweit sind, werden wir die Geräte abschalten. Ich werde hier draußen auf sie warten.“
Sie öffnete die Tür erneut und Mikoto wankte sofort in das luxuriöse Zimmer, Sasuke und Itachi blieben stehen. Sie wollten - nein sie konnten  nicht hinein.

Mikoto stürzte auf das Bett ihres Mannes, denjenigen den sie trotz allem liebte. Sie erinnerte sich doch noch so gut an die Hochzeit.
Sie hatten damals nicht heiraten sollen, seine Eltern waren dagegen gewesen. Aber er sagte ihr immer, dass es ihm egal war.
Dass er nur sie liebte.
Ihr Kleid war wunderschön gewesen, ein Traum. Schon ihre Mutter hatte es getragen, aber Mikoto hatte es moderner gemacht – edler.
Sie hatte ein Diadem getragen, welches ihre Schwester ihr geschenkt hatte. Dafür hatte die ganze Familie gespart.
Die Hochzeit hatte in einer kleiner Kirche stattgefunden, aber sie war voll von Leuten gewesen. Mikoto hatte viele Freunde, eine große Familie, die sie liebte. Alle waren gekommen, um mit ihr zu feiern.
Auf seiner Seite waren vor allem seine Schulfreunde, seine Geschäftspartner, die eingeladen wurde, weil es zur Höflichkeit gehörte. Von seiner Familie war nur seine Mutter gekommen, die Frau die ihn immer unterstützt hatte. Doch sie war nur in Schwarz gekleidet. Die anderen hatte er nicht eingeladen, er wollte sie nicht bei sich haben.
Dennoch waren auch hier mehr als genug Leute anwesend und so starrten gut zweihundert Augenpaare auf Mikoto, die kleine, zierliche Frau, die sich auf den Weg machte, ihre große Liebe zu heiraten.
Fugaku hatte gelächelt als er sie sah, später erzählte er ihr, dass ihm kurz der Atem gestockt war, als er sie gesehen hatte. So wunderschön und rein.
Die Rede des Pfarrers war nur sehr kurz gewesen, beide waren sie nicht besonders religiös. Sie machten das nur, weil es Mikotos Mutter sehr wichtig war.
Als er sie dann endlich küssen durfte, wusste sie, dass sie niemals so glücklich gewesen war wie jetzt.

Doch das war alles schon so lange her. Und nun hatte sie die Hände auf dem Krankenbett ihres Mannes, den Kopf abgestützt und weinte hemmungslos. Sie waren so glücklich gewesen und jetzt war alles vorbei. Mit aller Kraft versuchte sie, die schlechten Erinnerungen zu unterdrücken.
Mikoto war nicht, wie ihre Söhne es vermuteten, schutzlos, dumm oder naiv. Sie wusste genau, was er ihrer Familie immer wieder angetan hatte. Sie wusste genau, dass es schutzlos, dumm und naiv gewesen war, bei ihm zu bleiben.
Aber sie erinnerte sich immer wieder an der Moment in der Kirche – an diesen perfekten Moment.
Sie hatte ihn niemals vergessen können.
Deswegen war sie geblieben, auch als er sie betrogen hatte.
Auch, als er sie geschlagen hatte.
Auch, als er sie gezwungen hatte, ihre Würde aufzugeben.
Auch, als er sie um alles brachte, was sie besaß.
Für ein paar Flaschen Whiskey.
Er hatte sie glücklich gemacht, damals. Und an diesem Moment wollte sie sich fest klammern.


Draußen vor der Tür waren Itachi und Sasuke immer noch unschlüssig, was sie jetzt tun sollten. Sie liebten ihre Mutter, die doch immer alles getan hatte, um sie zu schützen. Aber sie hassten ihn, den sie schon seit Jahren nicht mehr als ihren Vater bezeichneten.
„Scheiße, verdammt“ flüsterte Sasuke nach einer Weile. Sie mussten doch ihrer Mutter beistehen, wieso war das so verdammt schwierig?
Itachi sah das auch so. Er liebte seine Mutter über alles. Doch gleichzeitig hasste er sie auch, weil sie ihn nie beschützt hatte. Ihn und seinen Bruder. 
„Du gehst besser. Für sie.“ sagte er schließlich, seine Augen ruhten auf Mikoto. Ohne Gefühle.
Sasuke konnte seinen Bruder nur hilflos anblicken. Wieso?

Wieso?

Er setzte einen Fuß vor den anderen, schwankte wie vorhin Mikoto.
Langsam ging er vorwärts. Um nicht aufblicken zu müssen, überlegte er sich, wann, ob Itachi ihm folgen würde.
Als er direkt neben seiner immer noch knienden Mutter stand und auf seinem Blick sich nur noch blanker Abscheu spiegelte, wandte sich Itachi um.
Seine Familie. Zerrissen durch Süchte, getrennt durch die Barrieren der Gefühle, vereint durch die Gesellschaft.

Wie lange war es her? 9, 10 Jahre? Nein, inzwischen mussten es bereits 12 sein.
Wie er als Junge, höchstens sieben Jahre alt, auf der Treppe saß, den Stimmen lauschten, die hinauf drangen. Seine eine Hand drückte die Ohren seines Stoffhasens Usagi zusammen, damit er nichts mitbekam.
Die andere hielt sich krampfhaft am Geländer fest.
Ob er damals geweint hatte oder nicht, wusste Sasuke nicht mehr. Wahrscheinlich nicht, denn er wollte nicht entdeckt werden.
Sein Vater schlug ihn immer, wenn er nicht brav war, und eigentlich sollte er im Bett sein und schlafen.
Stattdessen war er hier, auf der Treppe, hörte wie sein Vater schrie, tobte, brüllte.
„Sasuke ist scheisse! Du hast Scheisse aus meinem Sohn gemacht, du Hure!“
„Du kleine Schlampe, ICH arbeite und nicht DU!“
„Ich soll aufhören? Hä? Willst du Schläge? Du bist nur eine kleine Schlampe!“



„Ich verabscheue dich!“




Viele Wörter verstand der kleine Junge nicht, aber er wusste, dass es seine Schuld war. 
Was genau er getan hatte, wusste er zwar nicht, aber er war es gewesen. Wieso sonst sollte sein Vater mit Mami streiten?
Wegen Itachi sicher nicht. Er war ein guter Sohn, beinahe perfekt. Für Sasuke ganz.

Er spürte mehr, als er es hörte, wie sein Bruder kam.
„Hör nicht hin.“ murmelte Itachi. „Dann geht es schneller vorbei.“
„Aber dann muss ich Usagi loslassen!“ Kindlicher Vorwurf lag in seiner Stimme.
Es war kurz still, außer der Stimme Fugakus.
„Wan hören sie auf? Sie sollen aufhören!“ murmelte Sasuke. Jetzt, da Itachi da war, getraute er sich, zu weinen. Lautlos.
„Nie.“ Arme schlangen sich um den kleinen Bruder und um Usagi. Itachi drückte seinen Bruder.
Sasuke zitterte, die Mischung aus  Kälte und Angst. Lange saßen die beiden Brüder so da, einander stützend.
Dann klirrte ein Glas, Mikoto schrie. Sofort sprang Itachi auf, nahm mehrere Stufen gleichzeitig und dann -


„Sasuke? Bist du da?“ flüsterte Mikoto. Tränen liefen aus ihren Augen.
„Ich denke schon.“ antwortete er.
Aus seinen Erinnerungen geweckt, war er überrascht, dass sein Vater noch immer lebte. Wann starb er – endlich?

Itachi hatte sich abgewandt, so dass er die Gesichter nicht sehen musste. Es quälte ihn, wie ähnlich er seinem Vater war, äußerlich. Und leider auch innerlich.
Konnte er jetzt gehen? Sein Bruder verabschiedete sich, vielleicht. Hoffentlich.
Mikoto versuchte es zumindest. Sie würde nicht aufhören, von ihm abhängig zu sein, aber sie versuchte es.

Die einzige Frage war, ob auch Itachi es schaffen würde.

Und die ehrliche Antwort war „Nein.“

Das letzte Wort sprach er laut aus.

Er konnte sich nicht verabschieden von ihm. Denn dies wäre ein kleines Stück verzeihen.
Und dies würde er niemals tun.

„Nein!“ Lauter

„Nein!“ Lauter

„NEIN! NIE!“ brüllte Itachi.

Niemals werde ich den Schmerz vergessen, denn du uns angetan hast.

Vater.






Konoha News Paper
Polizeichef Fugaku Uchiha ist am 9.7.2012 nach Jahrelanger Krankheit gestorben.
Die Familie und ganz Konoha Gakure sind in Trauer.

Uchiha-Sama, wir danken Ihnen im Namen der Stadt für die Sicherheit die Sie dieser Stadt geschenkt haben.

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